Sony A7R VI - mein subjektives Review
Wie alles begann…
Es kommt immer anders als man denkt. Erst hatte die A7C-II als kompakte Immerdabei-Kamera heimlich meine geliebte A1 (bis heute) in die Warteschleife gestellt, ich habe sie wirklich nur noch für höhere Auflösung genutzt, dann hat eine Fuji GFX100S-II die A1 vom Auflösungsthron gestoßen, dabei hat sich aber herausgestellt, dass zum einen 2 Systeme (weil es im Telebereich bei GFX einfach eng wird) zumindest auf Dauer eins zu viel sind, sich zum anderen das GFX-System für mich als einfach zu schwer und groß (besonders die Objektive) erwiesen hat, so dass ich nach einem ¾ Jahr den Scheidungsanwalt anrief und mich vom Mittelformat trennte - wie immer, auch hier war die Scheidung nicht ohne Verluste. Also alles verkauft, und erstmal mit der geliebten A7C-II als einzige Kamera weitermachen, die einfach eine tolle, kompakte Kamera ist und mit der das fotografieren echt Spaß macht.Warum denn nun wieder eine Andere?
Wer einmal mit dem Megapixel-Virus befallen ist - meine erste Sony Vollformat war eine A7R-II, dann A7R-III (sehr günstig gebraucht gekauft und so quasi kaum etwas investieren müssen), dann die A1 - und sich dann noch mit der GFX100-Variante infiziert hat, der wird “nur” mit 33MP als einzige Kamera keinen Frieden finden können, dass musste ich nun feststellen. Das es eine Sony werden wird, war nach der Affäre mit der Fuji klar wie nur was, ich liebe einfach die kompakte Bauweise, zudem habe ich alle Objektive, die ich liebe (nicht alle von, aber alle für Sony!), so dass diese Ehe in meinem Leben nicht mehr geschieden wird!
Klar war auch, eine A1 wird es ebenfalls nicht mehr werden, zu teuer und kann zu viel, was ich einfach nicht brauche. Es gab die Idee, einfach auf den Nachfolger der A7CR zu warten, die wird sicher Mitte bis Ende nächsten Jahres kommen, aber es würde erstmal die A7R-VI auf den Markt kommen, auf die ich auch schon gespannt war.A7R-VI Release
Alle Gerüchte (Full-Stacked-Sensor, 66-80MP, besserer Sucher…) aufgesogen und immer wieder veränderte sich was, bis sich dann kurz vorm Release die Eckdaten verhärteten. Beim Release war alles klar, kein A1-Killer (war klar), 67MP (80 hätte ich auch toll gefunden), Full-Stacked-Sensor (aber nicht so schnell wie der von der A1), toller Sucher, alles in allem ein solider Nachfolger der A7R-V. Das hat mich alles nicht in einen emotionalen Ausnahmezustand versetzt (wie die A1 damals), aber das brauche ich glaube ich auch nicht mehr. Schien einfach eine solide Wahl für eine gegebenenfalls aktuelle Entscheidung zu sein. Erstmal alle Reviews geschaut, die ja immer nach dem Release zuhauf von den Bäumen fallen, alle Kritiken haben mich kalt gelassen, Jammern auf hohem Niveau! Geld war genug auf dem Konto vom GFX-Verkauf, Urlaub stand vor der Tür, und so habe ich kurzfristig die erste A7R-VI bestellt, die im deutschen Handel für mich real verfügbar war (ich wollte sie einfach in den Urlaub mitnehmen, sonst hätte ich sie bei meinem bevorzugten Händler in Bremen gekauft). 3 Tage später war sie da.Die ersten Erfahrungen vorm Urlaub
Erstmal nach der Ankunft Batterie geladen, und am Abend dann vorm Fernseher, wovon ich dann im Grunde nichts mitbekommen habe, mit der Konfiguration begonnen und nebenbei immer wieder mal kurz gegoogelt, bei neuen Funktionen, die ich so noch nicht kannte.
Es war ein Gefühl wie wieder zu Hause zu sein, alles geht schnell von der Hand, ich verstehe die komischen Kürzel im Menü, kenne die Struktur. Die Konfiguration war and diesem Abend zu 95% erledigt, alles andere musste sich beim täglichen fotografieren ergeben. Hier nun die für mich echten Highlights in der ersten Zeit, die es mir sehr einfach machten, die Kamera sehr schnell ins Herz zu schließenDer Sucher ist eine echte Innovation, der von der A7C-II ist halt eher rudimentär, der von der A1 sehr gut, aber er “krizzelte” immer beim fokussieren (also dauernd, da ich immer mit kontinuierlichem Fokus und Tracking arbeite), was die Freude doch sehr geschmälert hatte. Auch der GFX-Sucher, der echt groß und hell war, hatte dieses leichte “kritzeln”, nicht so schlimm wie die A1, aber etwas. Nicht so der Sucher der A7R-VI, hell, klar (klarer als der von der GFX), scharf, deutlich besser als alle Sucher, die ich vorher hatte. Bingo!
Endlich wieder ein tiltbares Display, das A1 Display war nur nach oben und unten tiltbar, was ich persönlich immerhin besser finde als das Klappdisplay an der A7C-II, das mag für vloggen gut sein, ich bin aber Fotograf und es nervt mich bis heute. Das GFX-Display ist das beste was ich kenne, tiltbar nach oben und unten und in einer Hochkant-Achse für eben Hochkantaufnahmen vom Stativ oder entsprechenden Blickpositionen. Das der Sony A7R-VI macht halt alles, wie gesagt, das klappen könnte man weglassen, weil der Mechanismus so eben auch aufträgt und das Display so nicht eben in die Rückseite integriert ist wie bei der Fuji, aber damit kann ich leben. Ich habe mir fest vorgenommen, es niemals zu klappen und bin zuversichtlich ;-). Es ist heller und besser als das Display von A1 und A7C-II, vielleicht etwas schlechter als das der GFX, aber das ist für mich kein Problem. Bingo!
AF, Tracking und Geschwindigkeit sind wie bei der A7C-II, die im Grunde sehr nah an der A7R-V in diesen Funktionen ist, die A1 ist sicher noch reaktionsschneller, was für mich aber keine Rolle spielt. Ich bin da schon mit der A7C-II sehr zufrieden gewesen, nun ist eben alles noch schneller und man kann die AF-Funktion auch noch differenzierter einstellen (in verschiedenen Ebenen zwischen verriegelt und reaktionsschnell). Bingo!
Personalisierung ist auch super, man kann alle Knöpfe und das rückwärtige Wahlrad viel variabler mit gewünschten Funktionen belegen als bei der GFX, zudem sind es genug für meine Bedürfnisse. Den kleinen Knopf für die Tastenbeleuchtung habe ich erstmal so gelassen, wenngleich ich noch überlege, ob ich den eventuell anders Belege, da ich nicht glaube, dass ich das so sehr benötige.
Was für mich aber der absolute Gewinn ist, ist die Speicherung der individuellen Einstellungen am Wahlrad. Vorher konnte man 3 über das Wahlrad einstellbare Modi und Einstellungen absichern (1,2, und 3), und zusätzlich 4 weitere, die nur über das entsprechende Einstellmenü zu erreichen sind. Ich habe mir das auch schon früher auf den unteren Knopf vom Wahlrad gelegt, wie nun auch. Jetzt hat man auf dem Wahlrad nur noch 1 und 2 als direkt einstellbare Modi, aber es gibt deren 10 statt vorher 7. Und wenn man das Wahlmenü auf einen Knopf legt, kann man nicht nur diese 10 individuellen Einstellungen abrufen (die man auch individuell benennen kann!), sondern auch auf die Standard-Einstellungen A,S,M,P und Auto (diese kann man im Menü auch abwählen, so dass nur die erscheinen, die man da haben will), das war vormals noch nie möglich. Ich kann nun also mit meinem Knopf auf A, S und M und die 10 weiteren Speicher zugreifen (die ersten beiden sind automatisch auf dem Rad 1 und 2 zugeordnet) und brauche das Rad nur noch generell auf das * Symbol zu stellen und kann so über meinen Wahlknopf blitzschnell auf alle meine Programmierungen zugreifen (Portrait, Tier, Insekt, Vogel, Mensch, schnelle Verschlusszeit, M-Bulb, nur Heif, nur JPG klein), brauche also den Drehknopf gar nicht mehr. Und das geht wirklich sehr schnell, ohne die Kamera von Auge zu nehmen. Bingo! Bingo!!Das Gehäuse ist noch etwas bequemer geworden als bei der A1, ich habe große Hände und ich finde es für mich gut zu bedienen, ich komme aber auch mit der A7C-II gut zurecht, oder früher mit der doch sehr kompakten RX1R-II. Bingo!
Die Batterie hält in jedem Falle länger als bei meiner A7C-II und auch früher der A1, ich habe es noch nicht geschafft, sie an einem Tag leer zu bekommen, selbst einen ganzen Abend die A7R-VI zu konfigurieren hat nichtmal 50% Akku benötigt. Bingo!
Die Farben sind ebenfalls etwas verbessert worden, die Farbwiedergabe ist nicht wie bei meinen früheren Sonys, sondern etwas gefällt mir besser, ebenso die Kreativen Looks. Bingo!
Ich will hier nicht auf alle Funktionen der Kamera eingehen, das kann auch jeder besser bei YT nachschauen. Alle Funktionen, die ich schon gerne mit der A7C-II genutzt habe (Belichtungs- und Fokus-Bracketing, Intervallaufnahmen, schnelle Veränderung der Standard-Verschlußzeiten…) sind natürlich auch vorhanden.
Nach 3 Wochen täglichem Gebrauch im Urlaub
Die A7R-VI ist im Urlaub im Grunde täglich in verschiedenen Situationen im Einsatz gewesen, von Landschaft, Architektur, Street Portrait und einfach nur Urlaubsknipserei. Ich hatte im Grunde keine großen Unsicherheiten, es war im Grunde eher, als sei die Kamera schon lange mein Begleiter und ich konnte sie (obwohl einige Knöpfe anders belegt sind als bei der A7C-II) sicher bedienen. Einzig die etwas komplexere AF-Einstellung, ich nutze hauptsächlich den erweiterten Spot AF im Tracking-Modus, braucht etwas Recherche und probieren, weil ich bevorzuge, wenn ich auf etwas scharfstelle, dass der AF absolut rigoros auf dem Objekt bleiben soll, solange ich den Auslöser halb gedrückt halte. Da habe ich die richtige Einstellung aber auch gut finden können.
Dabei ist alles nicht so spektakulär, sie tut ihren Job einfach noch etwas besser, als meine vorherigen und fühlt sich vertraut und zuverlässig an. Die Bildqualität ist aus meiner Sicht ebenso gut wie bei der A7R-II oder III oder der A1, nur halt etwas höher aufgelöst. Ich kann nicht sagen, ob die Low-Light-Performance vielleicht etwas schlechter ist, etwas mehr Rauschen, aber das ist may. marginal und durch moderne Entrauschungsfunktionen aus meiner Sicht wieso keine große Sache. Ich drucke bis Größe A2 oder max. 43cmx120cm, das ist im Grunde auch mit den 33MP der A7C-II nicht wirklich problematisch. Aber 67MP zum croppen und zur zusätzlichen Gestaltung zu haben, wenn man mal nicht aus der Position fotografieren kann, aus der man möchte, finde ich nach wie vor sehr attraktiv.Fazit
Die letzten 1½ Jahre waren was mein Hobby Fotografie angeht recht turbulent, angefangen beim Verkauf der RX1R-II und dem Kauf der A7C-II als Ersatz für eine kompakte Vollformat-Kamera, der Entscheidung, die A1 als meine vorige Hauptkamera zu verkaufen und auf GFX-Mittelformat umzusteigen. Ich bin im Grunde eher eine treue Seele, was meine Kameras angeht, meine frühere Lieblings-Kamera, eine Nikon FA, steht als einzige immer noch bei mir im Regal, alle anderen mussten immer die nächste Kamera mitfinanzieren.
Die A7R-VI fühlt sich für mich an, als hätte ich nie eine andere Kamera gehabt und auch, als würde ich lange Zeit keine neue Kamera mehr benötigen, neu im Sinne von einen Ersatz dafür. Wie gesagt, wie Zuhause, es braucht keinen Blick zurück und keinen nach vorne, alles ist gut so, wie es nun gekommen ist. Trotzdem hab ich gelernt, dass in dieser letzten Zeit auch viel überflüssig war, wenn ich heute nochmal entscheiden müsste, wäre ich bei der A1 und der RX1R-II geblieben, die als kompakte Kamera eine wirklich gute Ergänzung und keine Konkurrenz war und auch eine Bereicherung meiner Fotografie neben der A1.
Letztlich passt die A7R-VI so wie sie ist besser zu mir, die A7C-II wird mich in Kürze verlassen, da sie ausser 200gr. weniger Gewicht keine wirklich große Vorteile hat, und die kann ich verschmerzen. Mit der A7R-VI und dem 40/2,5G geht alles im Grunde genauso.
Das Einzige, was die Zukunft zeigen wird, ist, ob doch irgendwann eine wirklich kompakte Vollformat-Sony an die Seite der A7R-VI findet oder nicht.
Wer jedenfalls Interesse an der A7R-VI hat und wem das, was sie mitbringt, das richtige zu sein scheint, dem sei sie wärmstens ans Herz gelegt. Ich jedenfalls bin froh, dass ich mich für sie entschieden habe und freue mich auf die nächsten Jahre mit ihr zu fotografieren!